da_zwischen im Advent

Die letzten sieben Tage des Advent sind eine besondere Zeit: zwischen Countdown und Vorfreude. 
Wir haben die sogenannten „O-Antiphonen“ neu übertragen und freuen uns darauf, mit dir nach der passenden Bezeichnung zu suchen, für den, der kommt!

1 – O Weisheit (17. 12.)

O Weisheit,
dein Wesen ist die Macht des Wortes.
Du bist das Wort, in dem Gott sich uns in den Mund legt.
Das gute Wort, das Frieden schafft.
Du kennst keine Grenzen: Überall bist du. Grenzenlos.
Du bist mehr als Sprache. Du bist Verstehen und Verständnis.
Du ordnest das Chaos
liebevoll und doch mit Kraft:
Durch dich enden Kriege.
Durch dich werden Menschen Heil an Leib und Seele.
Die andere Seite:
Das verletzende Wort. Die Kriegserklärung. Das Unheil im Wort.
Weisheit ist,
das Wesen des Wortes zu erkennen, das gesprochen
und damit in der Welt sein will.
Bitte,
lehre uns die kluge Unterscheidung.

2 – O Herr (18.12.)

O Herr,
du bist immer da.
du bist der, dessen Name uns heilig ist.
Unseren Schwestern und Brüdern ist er mehr noch:
unaussprechlich heilig.
Du leitest
und begleitest uns.
Du gehst uns voraus.
Wir streben dir nach.
Ein Bündel aus Menschen,
das in dir mündet.
Für Mose warst du im Feuer.
Am unerwarteten Ort.
Mit einem großen Auftrag,
der Mose leitete
und uns bis heute Richtschnur unseres Handelns ist.
Komm.
Bitte: Komm!
Es liegt so vieles im Argen.
Wir brauchen deine Kraft und Hilfe.
Wir vertrauen auf deinen starken Arm.


3 – O Wurzel (19.12.)

O Wurzel,
aus der wir alle kommen:
Alle großen Namen
wachsen aus dir:
Isai, David, Jesus.
Gott hat dich eingepflanzt:
Die Menschheit. Ein Volk.
Alle mächtigen Herrscher
Fürsten, Regenten, Präsidenten, Diktatoren
sie alle
herrschen nur auf Zeit.
Du nicht.
Du wurzelst in der Ewigkeit
und wächst der Zukunft entgegen,
die wir so sehnsüchtig erwarten.
Deshalb bitten wir dich
als deine Menschheit, nicht als ein Volk,
gemeinsam:
Komm!
Komm jetzt und befreie uns!

4 – O Schlüssel (20.12.)

O Schlüssel,
der die Tür öffnet,
die das Hier und Jetzt
von der Ewigkeit trennt.
Du bist ein mächtiges Zeichen,
denn wenn du öffnest,
kann ich nicht mehr schließen.
Wenn du schließt,
kann ich nicht mehr öffnen.
Kein Mensch kann
die Schwelle des Todes
überschreiten
und zurück ins Leben kommen.
Diese Unumkehrbarkeit des Todes
macht mir Angst:
Wie klein und ohnmächtig wir Menschen sind.
So selten zweifeln wir an der Machbarkeit durch uns selbst
dass wir angesichts der Unverfügbarkeit des Todes
in die dunklen Schatten unserer Seele
zurückgeworfen werden.
Die Angst ist dort eine mächtige Begleiterin.
Komm. Bitte komm und
zieh mich heraus aus Dunkelheit und Angst.
Setze dich neben mich
und lass mich in deinem Licht
Ruhe finden.

5 – O Morgenstern (21.12.)

O Morgenstern,
dein strahlender Glanz
erinnert an die Strahlkraft
deiner großen Tag- und Nachtgeschwister
der Sonne und des Mondes.
Du gibst Orientierung
und die Sicherheit,
dass es keine Zeit ewiger Dunkelheit geben wird:
Es werde Licht
am Morgenhimmel.
Du machst in deiner Strahlkraft
keinen Unterschied und
leuchtest für alle Menschen gleich:
Für den Sinnsucher wie für den Navigator.
Für die Poetin wir für die Mathematikerin.
Für den Glücklichen wie für den Leidenden.
Für die Neugeborene wir für die Sterbende.
Leuchte!
Leuchte heute ganz besonders
in den Herzen
der Sterbenden und
der Trauernden.

6 – O König der Welt (22.12.)

O König der Welt,
du kennst
die Menschen:
Ihre Wünsche und Gedanken.
Ohne dich wären sie nicht.
Du bist das Fundament
der Menschheit,
spiegelst dich in ihr
und wirst selbst Mensch.
Was für eine demütige Geste
für einen so großen König!
Klein wirst du
so klein,
dass Himmel auf Erden wird,
dass zwei getrennten Welten
ineinander aufgehen.
Wir erzählen uns Geschichten
des Werdens,
um fassen zu können
wer du bist:
Wir wurden aus Schlamm,
den du liebevoll in deine Hand nahmst
um aus dem Boden
Leben werden zu lassen.
Tu das noch einmal,
wir bitten dich:
Komm und forme uns.
Mach uns dir ähnlich,
wenn wir am Boden sind.

7 – O Gott (23.12.)

O Gott,
du bist bei uns.
Ein Gott der Nähe,
der begleitet und beschützt,
damit uns kein Leid geschieht.
Wir nennen dich König,
weil du mächtig bist.
Wir nennen dich Retter,
weil du da bist, wenn wir Hilfe brauchen.
Wir nennen dich Richter,
weil du Gerechtigkeit garantierst.
Kein Begriff beschreibt dich ganz.
Jeder Name ist
nur Stückwerk
und unvollständig.
Vielleicht sollten wir dich
Freund nennen,
denn das ist, was du uns anbietest:
dein Mitgehen,
dein Mitleiden,
dein Mitfreuen,
dein Mitleben
mit uns.
Komm!
Bitte komm!