Einig. Oder nicht.

Ihr habt euch geeinigt.

Zumindest einige von euch.

 Uns haben in den letzten Tagen viele schöne, berührende Geschichten von euch erreicht. Große Geschichten vom Glück, sich beim Kaffee mit Familienmitgliedern zu unterhalten, denen man meinte nicht mehr in die Augen sehen zu können. Kleine Geschichten von einem Anruf, der Mut und Herzklopfen gekostet hat und der mit innerem Frieden und einem zaghaften Neuanfang belohnt wurde. Geschichten am Rande und solche, die vermutlich das Zeug für große Romane hätten. Wir staunen.

Einige konnten sich nicht einigen.

Uns haben auch Geschichten erreicht, die von der Sehnsucht erzählten, vergeben zu können, sich einig zu werden, Streit zu begraben, von einer Sehnsucht, die sich nicht erfüllen lässt. Manchmal liegt es am Schatten, der zu groß ist, um darüber zu springen. Manchmal liegt es auch daran, dass die Einigung ein Schuldeingeständnis voraussetzen würde, dass das Gegenüber nicht oder noch nicht leisten kann oder will. Es gibt Dinge, die kann man nicht lösen. Nicht alleine, nicht jetzt. Manche Situationen und Beziehungsgefüge sind so verfahren, dass Einigung vermutlich eines Dritten im Bunde, eines Vermittlers, bedürfte.

Der Dritte im Bunde

180905 dreieinig - Einig. Oder nicht.

Der Dritte im Bunde ist schon ein biblisches Bild. Sowohl der Bund als auch die Dreizahl sind uns Christinnen und Christen ja vertraut: Gott hat versprochen, seinen Bund mit den Menschen nicht zu brechen. Der, den wir „dreieinig“ nennen, kann vermutlich ein Lied davon singen, welche Komplikationen, Irrungen und Wirrungen die Einigkeit so nehmen kann…
Als Dritter im Bunde ist er derjenige, der Versöhnung von uns fordert. Er ist groß darin, uns sehr anspruchsvolle Imperative auf die Schultern zu legen: Einigt euch! Liebt einander! Sorgt füreinander! Vorausgesetzt, er ist ein gütiger Gott weiß er aber auch: So einfach ist es nicht. Und für den Fall, dass wir am Anspruch scheitern steht er neben dran. Als dritter im Bunde. Als stiller Vermittler, der möglich macht, was zwischenmenschlich auch schon mal sehr aus den Angeln geraten kann. Ob wir das immer merken oder nicht: Versprochen ist versprochen. Das steckt im Bundesgedanken.
Ein Bund setzt immer ein Verbünden voraus. Und welches Bündnis besteht schon ohne Einigkeit? Mit seinem hohen Anspruch an uns will Gott es uns nicht schwer machen. Ganz im Gegenteil. Er will uns herausfordern zum Mit- statt Gegeneinander. Er will uns die Erfahrung ermöglichen, dass das geht. Dass wir über riesige Schatten springen können, zum Telefonhörer greifen oder uns zum Versöhnungkaffee treffen. Dass wir uns einigen können. Wenn nicht jetzt, dann vielleicht später. Aber als Begleiter steht er dafür jederzeit parat.

#dnkgtt

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