Licht.Stille.Heimat.

Unsere DA_ZWISCHEN-Weihnachtspredigt

Ich hasse blinkende Lichterketten, 3D-Projektoren und eiskalt-blaue Lichterschläuche. Wenn es etwas gibt, was mir die Vorweihnachtszeit vermiesen kann, dann das. Weil ich in all dem Geblinke nur Hektik entdecken kann. Das ewige höher, schneller, weiter. Mehr kaufen, mehr backen, mehr putzen, mehr Stille Nacht.

Stille NACHT?

Zwischen dem Gedudel und Geglitzer der Weihnachtsmärkte kommt dann dennoch so etwas wie Zufriedenheit mit dem Hier und Jetzt auf. Vermutlich, weil um Weihnachten herum alles so ist, wie es immer war. Vielleicht ist das im letzten Jahr oft beschworene und ebenso oft verteufelte Wort „Heimat“ genau das: So wie es immer war. Vermutlich haben wir Menschen auch als Erwachsene in uns ein Gefühl der Geborgenheit abgespeichert, das liebevolle Gehalten sein von starken Händen, das zarte Behütet-werden. Wie in einem Schmuckkästchen liegt es sorgsam eingeschlagen im Unterbewusstsein. Und manche Töne, Gerüche, Lieder, Atmosphären holen es ans Licht.

Stille Nacht. Zum Beispiel.

Für die Berliner wird diese Nacht in besonderer Weise eine stille sein. Wenn etwas so gar nicht zur weihnachtlichen Heimeligkeit passt, dann Trauer und Tod. Da prallte ja nicht nur ein Lastwagen in Verkaufsbuden. Da prallte blanker Hass mitten in den Weihnachtsfrieden. Mit der scharfkantigen Trennung zwischen „uns“ und „denen“, sprich: Deutschen und (noch) Nicht-Deutschen hat das überhaupt nichts zu tun.

Heimat?

Heimat ist doch für jeden etwas anderes. Wo soll ich denn da die Grenze ziehen? Zwischen denen, die den Kerzenschein lieben und den Lichterketten-und-Projektoren-Liebhabern? Zwischen denen, die den Tannenbaum schon am ersten Advent im Zimmer stehen haben und denen, die erst am 24. Dezember den Christbaumständer vom Speicher holen? Zwischen Gänsebraten und Schweinshaxe, Kartoffelsalat und Lachs in Blätterteig?
Nichts da! Es gilt zu akzeptieren, dass ich ich bin. Und alle anderen sind: Andere. Das klingt einsam? Finde ich auch. Weshalb ich für ein starkes Wir plädiere: Weil ich nicht für mich sein kann und will, muss ich meine Heimat mit den Heimaten der anderen in Beziehung setzen. Dabei sind Menschen gar nicht so unterschiedlich, wie gemeinhin postuliert: In der Regel ist da viel Gemeinsames. Ein Kopf, zwei Arme, zwei Beine, viele Wünsche, Ansprüche, Gedanken und Ideen. Jeder mit seinem Schmuckkästchen Heimat im Kopf und dem Bestreben, das Leben gelingen zu lassen. Mit dem Bestreben, zu Leben. Voll und ganz und aus tiefem Herzen.

Heimat!

Heimelige Weihnacht funktioniert nur als Kompromissprojekt. Da macht Gott uns nichts vor. Er ist der Meister des großen Wir: Sogar Mensch (wie wir) wird er dafür. Was für ein Kraftakt! Und obendrein scheint er zu den Projektoren-und-Glitzer-Fanatikern zu gehören: Ein völlig überdimensionierter Stern über der Krippe und blinkende Engelscharen…. Damit muss ich leben. Er auch.

Ich- Du- ER. Wir.

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